Auch in diesem Jahr hat uns der Weg wieder zum Mekka der Spielwarenszene geführt. Unter besonderem Augenmerk standen für uns die Aussteller aus dem Bereich Modellbahn und Zubehör. Die Messe hatte mit 76.600 Besuchern aus 104 Ländern etwa 2% mehr Zuspruch als im Vorjahr.
Alles was in der Szene Rang und Namen hat, war natürlich vertreten und so sind wir zu den Ständen von Faller, Busch, Brekina, Piko, Preiser, Herpa, Brawa, Minitrix, Roco, Märklin und weiteren gepilgert, um mit reichlich Informationen im Gepäck wieder die Heimreise anzutreten.
Märklin und andere Modellbahnhersteller wollen mit einer neuen Marketingstrategie zurück in die Kinderzimmer, welche Sie jahrelang in einem Preiswahn immer mehr ausgegrenzt haben. So präsentierte sich Märklin auf der Messe mit über 200 Neuheiten. So wird es etwa eine Modellversion des "Adler" geben, der vor 175 Jahren das Eisenbahnzeitalter in Deutschland einläutete. Da bei immer mehr Modellbahnanlagen auch die Digitalsteuerung Einzug hält, gibt es neue Startersets komplett mit Steuerung, Gleisen, Güterzügen oder ICEs. Interessanterweise war auch zu vernehmen, dass Märklin mit einer Onlinecommunity für ihre Modellbahnfreunde sowie "Märklin-TV", einem Web-TV Sender, an den Start gehen möchte. Ein schönes Modell ist aus der einmaligen Serie die schwere Dampflokomotive mit Schlepptender aus der Baureihe 45, aber mit knapp 500 Euro Verkaufspreis nicht gerade ein Angebot.
Busch hat ebenfalls etliche Neuheiten präsentiert. In diesem Jahr haben sie laut Neuheitenkatalog dem Thema "Bergwerk & Grubenbahn" besonderen Stellenwert eingeräumt. Und so findet man dann auch verschiedene Produkte wie eine fahrende Grubenbahn, Gebäudemodelle, so dass man ein kleines Bergwerk konstrukieren kann. Im automobilen Bereich sind sie etwas zurückhaltender, hier findet man u.a. Modelle der neuen Mercedes E-Klasse, einige Feuerwehren und Landfahrzeuge. Für den Oldtimerfreund sind das Tempo Dreirad, der Mercedes-Benz O-3500, der Citroen H im "DRK" oder "Miko" Design oder drei verschiedene Varianten des Piaggio Ape 50 interessant. Eine Formneuheit im landwirtschaftlichen Bereich stellt der Mähdrescher Fortschritt E514 dar, welcher in drei Farbgebungen einen gefälligen Auftritt hinlegt. Dieser soll ab Juli 2010 verfügbar sein.
Faller berichtet seinen geneigten Jüngern, dass sie sich jetzt auch der Lasercut Technologie bedienen. Hierbei werden Modellbauteile durch einen Laserstrahl hochpräzise ausgschnitten und erreichen Passgenauigkeiten, die früher produktionsbedingt nicht möglich waren. Nun ist auch ein Materialmix aus Holz, Kunsstoff und Kartonteilen möglich, der den Objekten mehr Originalität verleihen soll. Und in der Tat sehen die neuen Modelle detaillierter aus als die Vorgänger. Der Bahnhof "Klingenberg" und der Güterbahnhof gefallen mir gut.
Noch ist für mich die erste Wahl, wenn es um Landschaftsbau im Modellmaßstab geht. Deren Fokusthema lautet 2010 "In den Bergen". Auch sie haben Lasercut für sich entdeckt. Neben einigen Figurensets haben sie auch wieder Auto- und Motoradszenen im Angebot, denen sie mit Witz immer wieder Charme verleihen. So sind bei den Modellen "Urlaubsfahrt", "Rendezvous" oder "Autopanne" auch immer gleich die passenden Figuren dabei. Im Landschaftsbau fällt der "digitale Baum" auf. So soll er per Auslösung durch Schalter oder Decoder realitätsgetreu fallen. Bestimmt ein Gimmick,welches man so später auch beim Miniaturwunderland in Hamburg wird bewundern können. Bei den Automodellen gibt es einige Mini Metals, z.B. den 1953er Ford Crestline Country Squire oder den 1936er Ford Sedan.
Vollmer präsentiert eine etwas eigentümlich klingende Weltneuheit: Vollmer-Bausätze aus Bio-Kunststoff! Passend dazu ist das beworbene Produkt ein Naturgut Bio-Supermarkt. Ebenfalls neu ist ein McDonalds mit McCafe und Mc Drive. Wer es auf seiner Modellbahn mag...bitte sehr.
Insgesamt gab es einiges, um sich satt zu sehen. Was mich persönlich ein bisschen stört: Die Figuren in HO haben nach wie vor alle diese charakterlosen Gesichter. Hier kann meiner Ansicht nach kein Hersteller wirklich punkten. Bei aller modernen Produktionstechnik müsste hier doch mal ein Schritt nach vorne möglich sein.
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